Molekulargenetische Diagnostik
Praxis Dr. Mato Nagel

Komplement-Faktor I

Der von diesem Gen kodierte Complementfaktor ist für die Deaktivierung des aktivierten C3 verantwortlich. Wenn diese Funktion gestört ist, so resultiert eine ungebremste Complementaktivierung und es kann sich das Krankheitsbild eines atypischen (hereditären) HUS entwickeln.

Proteinstruktur

Der reife Faktor I ist ein Glycoprotein, welches aus zwei verschiedenen Ketten besteht, die über Disulfidbrücken miteinander verbunden sind. Das Heterodimer besitzt ein Molekulargewicht von 88.000 Dalton, wobei sich 50,000 und 38,000 jeweisl auf die schwere und leichte Kette verteilen.

Wie auch andere Moleküle des Complementsystems ist der Faktor I modular aufgebaut. Die schwere Kette setzt sich zusammen aus zwei LDL-Rezeptordomainen, eine CD5 Domaine und ein Modul welches auchin den Complementfaktoren 6 und 7 gefunden wird. Die leichte Kette trägt die Serin-Protease und ist ähnlich dem Trypsin aufgebaut.

Phänotyp

Patienten mit Faktor I Mangel zeigen einen erhöhten Verbrauch an C3 und Faktor B. auch der Faktor H kann reduziert sein. Wie beim C3 Mangel kommt es zu rekurrierenden Infektionen. Das mittlere Manifestationsalter liegt bei 17 Monaten. Vasculitiden und thrombotische Mikroangiopathien sind häufige Komplikationen bei Faktor I Mangel.

Die Bedeutung von zusätzlichen Schädigungen und Umweltfaktoren wird durch die Tatsache unterstrichen, dass es Patienten mit Faktor I Mangel gibt, die völlig asymptomatisch sind.

Pathologie

Beim Faktor I Mangel kommt es zu einem Mangel an Complement Faktor 3. Dieser ist durch einen erhöhten Verbrauch aufgrund der ungebremsten Aktivierung bedingt.

Genregulation

Das Vorläufer-Protein mit seinen 256 Aminosäuren wird vornehmlich in der Leber synthetisiert. Vor der Sekretion werden Disulfidbrücken gebildet und vier basische Aminosäuren herausgeschnitten.

Die physiologische Bedeutung des Faktors I besteht in der Regulation sowohl der klassischen, wie auch der alternativen Complementkaskade. Im klassischen Weg wird C4b gespalten, wofür der Cofaktor C4-Bindungsprotein benötigt wird. Im alternativen Weg wird C3b gespalten mit Unterstützung des Complement Faktors H. Die Spaltung von C3b stopt die Bildung der C3-Konvertase (C3bBb), welche durch positive Rückkopplung zu einer Verstärkung der Complementantwort führt.

Diagnostik:

Clinic Untersuchungsmethoden Familienuntersuchung
Bearbeitungszeit 5
Probentyp genomic DNA
Clinic Untersuchungsmethoden Multiplex ligationsabhängige Amplifikation
Bearbeitungszeit 20
Probentyp genomic DNA
Clinic Untersuchungsmethoden Direkte Sequenzierung der proteinkodierenden Bereiche eines Gens
Bearbeitungszeit 20
Probentyp genomic DNA
Clinic Untersuchungsmethoden Hochdurchsatz-Sequenzierung
Bearbeitungszeit 25
Probentyp genomic DNA

Krankheiten:

Hämolytisch Urämisches Syndrom
ADAMTS13
C3
C4BPA
C4BPB
CD46
CFB
CFH
CFHR1
CFHR2
CFHR3
CFHR4
CFHR5
CFI
CLU
DGKE
Methylmalonazidurie
Methylmalonazidurie Typ mut
MUT
Methylmalonazidurie mit Homozysteinurie cblC
MMACHC
Methylmalonazidurie mit Homozysteinurie cblD
MMADHC
PIGA
THBD
Complementfaktor I-Mangel
CFI

Referenzen:

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