Molekulargenetische Diagnostik
Praxis Dr. Mato Nagel

Lipoproteinlipase

Das Gen kodiert ein intravasales Enzym für den Abbaul von VLDL und Chylomikronen. Inaktivierende Mutationen führen zu Chylomikronämie und Hypertriglyceridämie.

Epidemiologie

Die Häufigkeit von homozygoten LPL-Defekten wird mit 1:1.000.000 angegeben und ist damit ähnlich hoch wie bei den homozygoten LDL-Rezeptordefekten. Heterozygote Zustände sind oft nicht so deutlich erkennbar, da verschiedene Kompensationsmechanismen existieren.

Genstruktur

Das etwa 30kb große Gen der Lipoproteinlipase (LPL) befindet sich auf dem Chromosom 8 (8p22). Das Gen besteht aus 10 Exons.

Phänotyp

Patienten mit einem LPL-Defizit zeichnen sich durch erhöhte Triglyceride im Blutplasma aus. In der Lipidelektrophrese dominieren dann die Chylomikronen und die VLDL. Die phänotypische Ausprägung ist sehr stark von der Stärke des LPL-Defizits, von Kompensationsmechanismen, wie auch von Umwelteinflüssen abhängig. Im homozygoten Falle kommt es regelmäßig zur Dekompensation in Form einer Chylomikronämie, während dies in heterozygoten Zuständen meist bei Diätfehlern (Alkoholkonsum) oder Stoffwechseldekompensationen im Rahmen eines Diabetes vorkommen.In Zuständen gemischter Hyperlipämie mit erhöhten VLDL scheint ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrakungen zu bestehen. In der Chylomikronämie droht vor allem eine akute Pankreatitis.

Pathologie

Die Lipoproteinlipase, ein Glykoprotein, welches von den Adipozyten sezerniert wird. Es besitzt eine wichtige Bedeutung für den hydrolytischen Abbau von triglyceridreichen Lipoproteinen, insbesondere den Chylomikronen. Die Lipoproteinlipase heftet sich an die luminale Seite der Endothelzellen und fängt hier die vorbei driftenden triglyceridreichen Lipoproteine ein. Als Ligand auf der Seite der Lipoproteine fungiert dabei das Apolipoprotein C2. Die Lipoproteinlipase löst nun aus den Triglyceriden der angedockten Lipoproteine die Fettsäuren heraus und führt damit im weiteren zu einer Verringerung des Triglyceridanteils und folglich zu einer Erhöhung des Cholesterinanteils in diesen Lipoproteinen. Aus den Chylomikronen und den VLDL entstehen dann entsprechend die Chylomikronen-Remnants und die LDL-Partikel.

Untersuchungsstrategie

Personen und deren Blutsverwandte mit Hypertriglyceridämie/Hyperchylomikronämie bzw. rezidivierender Pankreatitis unklarer Genese.

Interpretation

Mit dem Nachweis einer Mutation kann mit relativ großer Sicherheit auf die verminderte LPL-Aktivität geschlossen werden, während ein fehlender Nachweis eine verminderte Aktivität nicht ausschließt. Patienten mit einer heterozygoten LPL-Mutation scheinen schlechter auf CSE-Hemmer anzusprechen.

Diagnostik:

Clinic Untersuchungsmethoden Familienuntersuchung
Bearbeitungszeit 5
Probentyp genomic DNA
Clinic Untersuchungsmethoden Multiplex ligationsabhängige Amplifikation
Bearbeitungszeit 20
Probentyp genomic DNA
Clinic Untersuchungsmethoden Direkte Sequenzierung der proteinkodierenden Bereiche eines Gens
Bearbeitungszeit 20
Probentyp genomic DNA
Clinic Untersuchungsmethoden Hochdurchsatz-Sequenzierung
Bearbeitungszeit 25
Probentyp genomic DNA

Krankheiten:

Familiäre kombinierte Hyperlipämie
Kombinierte familiäre Hyperlipämie mit Dysfunktion des Fettgewebes
C5AR2
LEPR
LIPE
PNPLA2
PPARG
USF1
Kombinierte familiäre Hyperlipämie mit VLDL-Überproduktion
APOE
GCKR
OSBPL10
USF1
Kombinierte familiäre Hyperlipämie mit gestörtem VLDL-Metabolismus
APOA1
APOA4
APOA5
APOC3
CETP
GALNT2
LCAT
LIPC
LPL
RXRG
USF1
Kombinierte familiäre Hyperlipämie mit gestörter LDL-Clearance
ATF6
LDLR
PCSK9
Chylomikronämie
APOA5
APOC2
APOE
GPIHBP1
LPL
Kombinierte familiäre Hyperlipämie mit gestörtem VLDL-Metabolismus
APOA1
APOA4
APOA5
APOC3
CETP
GALNT2
LCAT
LIPC
LPL
RXRG
USF1

Referenzen:

1.

Knopp RH et al. (1999) Drug treatment of lipid disorders.

[^]
2.

Benlian P et. al. (1996) Premature atherosclerosis in patients with familial chylomicronemia caused by mutations in the lipoprotein lipase gene.

[^]

 

 
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