Molekulargenetische Diagnostik
Praxis Dr. Mato Nagel

Salla Erkrankung

Die Salla Erkrankung und die infantile Sialinsäure-Speichererkrankung sind autosomal rezessiv vererbte Störungen der lysosomalen Funktion. Sie werden durch Mutationen im selben Gen, einem lysosomalen Memrantransportprotein, hervorgerufen. Das klinische Bild wird von neuromuskulären Symptomen dominiert.

Geschichtliches

Die Salla Erkrankung wurde erstmalig 1979 publiziert. Diese Erstbeschreibung umfasste eine Familie mit drei betroffenen Brüdern und deren Cousine. Der Name Salla geh auf den Geburtsort dieser Patienten zurück. Die Untersuchung dieser Patienten zeigte neben einer Vermehrten renalen Auscheidung von Sialinsäure vergrößerte lysosomale Vakuolen. Obwohl es damit offensichtlich war, dass es sich um eine lysosomale Speicherkrankheit handeln musste, zeigte alle lysosomalen Enzyme eine normale Aktivität.[1]

Die infantilen Sialinsäure-Speichererkrankung wurde 1982 entdeckt. Die Symptome waren wesentlich ausgeprägter und führten früh zum Tode.[2]

Das Gen welches den bei dieser Erkrankung beeinträchtigten lysosomalen Membrantransporter für Sialinsäure kodiert, wurde 1999 beschrieben. Gleichzeitig wurde klar, dass beide Erkrankungen unterschiedliche Allelvarianten darstellen.[3]

Epidemiologie

Die Salla Erkrankung ist in einer Region von etwa 100km Durchmesser im Nordosten Finnlands endemisch. Sporadische Fälle werden immer wieder auch in anderen Teilen der Welt beschrieben. Diese Fälle zeigen oft einen etwas veränderten Phänotyp, mit Übergängen zur infantilen Sialinsäure-Speichererkrankung.

Die infantilen Sialinsäure-Speichererkrankung ist viel seltener und zeigt keine regionale Häufung.

Klinischer Befund

Schwangerschaft und Neonatalperiode sind bei der Salla Erkrankung unauffällig. Die ersten Symptome werden nach 6-9 Monaten auffällig und bestehen in muskulärer Hypotonie, Ataxie und horizontalem Nystagmus. Letzterer entwickelt sich zu einem ausgeprägten Schielen. Die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten ist deutlich verlangsamt ebenso die Sprache. Ein Drittel der Patienten kann nicht laufen. Während die meisten noch in den ersten Lebensjahren das Sprechen einzelner Wörter und kleiner Sätze erlernen, so verlernt ein Drittel davon diese Fähigkeit wieder. Die geistige Retardierung ist ebenso ausgeprägt. Der erreichte IQ liegt zwischen 20 und 40. Die groben Gesichtszüge sind auffallen. Andere somatische Symptome bleiben aus. Die Patienten erreichen im Durchschnitt ein Lebensalter von 35 Jahre.

Die Symptomatik der infantilen Sialinsäure-Speichererkrankung ist viel gravierender. Sie beginnt zum Teil bereits in utero, wo ein Hydrops fetalis beobachtet werden kann. In der Neonatalperiode sind Hepatomegalie, Aszites und Ödeme sowie Gesichtsveränderungen auffällig. Später treten Wachstumsstörungen, Hypotonie, Splenomegalie, Hypopigmentation und Skelettveränderungen hinzu. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 10 Monate.

Diagnosestellung

Bis auf den aus Finnland stammenden Fällen ist die Familienanamnese wenig ergiebig. Wegweisend sind vielmehr die erhöhte renale Sialinsäure-Ausscheidung. Allerdings tritt dieses Symptom auch noch bei anderen Erkrankungen des Sialinsäure-Stoffwechsels auf. Die Molekulargenetische Diagnostik erlaubt die genaue Eingrenzung der Diagnose, die Untersuchung der Familie und Einbeziehung der Pränataldiagnostik.

Differentialdiagnostische Abgrenzung

Bei folgenden Erkrankungen wird ebenfalls eine intrazelluläre Anreicherung von Sialinsäure und Sialinurie beobachtet: Sialidose, Sialurie und Galactosialidose.

Gliederung

Lysosomale Speicherkrankheiten
Cystinose
Infantile Sialinsäurespeicherkrankheit
Mangel an lysosomaler saurer Lipase
Morbus Fabry
Salla Erkrankung
SLC17A5
Wolman-Erkrankung

Referenzen:

1.

Verheijen FW et al. (1999) A new gene, encoding an anion transporter, is mutated in sialic acid storage diseases.

[^]
2.

Aula N et al. (2000) The spectrum of SLC17A5-gene mutations resulting in free sialic acid-storage diseases indicates some genotype-phenotype correlation.

[^]
3.

Kleta R et al. (2004) Clinical, biochemical, and molecular diagnosis of a free sialic acid storage disease patient of moderate severity.

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4.

Strauss KA et al. (2005) Genome-wide SNP arrays as a diagnostic tool: clinical description, genetic mapping, and molecular characterization of Salla disease in an Old Order Mennonite population.

[^]
5.

Biancheri R et al. (2005) Homozygosity for the p.K136E mutation in the SLC17A5 gene as cause of an Italian severe Salla disease.

[^]
6.

Morse RP et al. (2005) Novel form of intermediate salla disease: clinical and neuroimaging features.

[^]
7.

Tondeur M et al. (1982) Infantile form of sialic acid storage disorder: clinical, ultrastructural, and biochemical studies in two siblings.

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8.

Strehle EM et al. (2003) Sialic acid storage disease and related disorders.

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9.

Suwannarat P et al. (2005) Disorders of free sialic acid.

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10.

Gopaul KP et al. (2006) The inborn errors of sialic acid metabolism and their laboratory investigation.

[^]
11.

Aula P et al. (1979) "Salla disease": a new lysosomal storage disorder.

[^]