Molekulargenetische Diagnostik
Praxis Dr. Mato Nagel

Hereditäre Leiomyomatose mit Nierenzellkarzinom

Dieses Syndrom ist gekennzeichnet durch die Neigung zu Leiomyomatomen der Haut und des Uterus verbunden mit papillären Nierenzellkarzinomen. Die Vererbung ist autosomal dominant mit inkompletter Penetranz.

Epidemiologie

Es handelt sich um eine seltene Erkrankung. Das gleichzeitige Vorhandensein von Uterusleiomyomatomen und Nierenzellkarzinomen ist noch kein sicherer Hinweis vor das Vorliegen dieser Erkrankung, wenn nicht auch noch kutane Leiomyomatome vorhanden sind.<br>Umgekehrt finden sich Nierentumoren bei 6% von Familien mit kutaner Leiomyomatose und einem nachgewiesenen Gendefekt.<br>

Untersuchungsstrategie

Bei jedem Patienten mit einem Tumor und einer kutanen Leiomyomatose ist eine molekulargenetische Untersuchung indiziert. Sollte diese eine Mutation des FH Gens als Ursache bestätigen, so ist bei den genetisch ebenfalls betroffenen Familienangehörigen eine engmaschige Tumorvorsorge indiziert.

Klinischer Befund

Das klinische Bild wird dominiert von kutanen Leiomyomatomen. Bei Frauen treten auch häufig Leiomyomatome im Uterus auf. Neben den wohl am häufgsten auftretenden Nierentumoren sind auch Uterussarkome, Prostatakarzinome und Brustkrebs beschrieben.

Diagnosestellung

Das Leitsymptom dieser Erkrankung ist die kutane Leiomyomatose. Erst wenn diese dermatologisch bestätigt wurde und zusätzlich eine Tumorerkrankung bei dem Patienten selbst oder einem Familienangehörigen besteht ist eine weiterführende molekulargenetische Diagnostik indiziert.<br>Für den Auschluß von Nierentumoren kommen ausschließlich die modernen bildgebenden Verfahren zum Einsatz. Neben Niere sollten aber alle anderen wichtigen Tumorstandorte in die Vorsorgeuntersuchung einbezogen werden.

Pathogenese

Der Erkrankung liegen Mutationen des FH Gens (Fumarathydratase)zugrunde. Mit den derzeit verfügbaren molekulargenetischen Methoden lassen sich in 85% der Familien solche Mutationen nachweisen. Davon sind 58% Missens-, 27% Frameshift-und 9% Nonsensemutationen. Bei dem Rest von 7% handelt es sich meist um große Deletionen. Mutationen mit besonders schwerwiegender Schädigung des Proteins führen häufiger zu Tumoren.<br>Es wird vermutet, dass die tumoröse Transformation vom jeweiligen musculus erector piliorum ausgeht.

Gliederung

Hereditäre Nierentumoren
Hereditäre Leiomyomatose mit Nierenzellkarzinom
COL4A6
FH
Nichtpapilläres Nierenzellkarzinom
Wilms-Tumor
von Hippel-Lindau-Syndrom

Referenzen:

1.

Alam NA et al. (2005) Fumarate hydratase mutations and predisposition to cutaneous leiomyomas, uterine leiomyomas and renal cancer.

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