Molekulargenetisches Labor
Zentrum für Nephrologie und Stoffwechsel

Myocilin

Mutationen dieses Gens sind für das juvenile Weitwinkelglaukom verantwortlich.

Epidemiologie

Die Mutationen sind bisher vor allem bei Kaukasiern untersucht. Man findet hier bei etwa 4% von Patienten mit primärem Weitwinkelglaukom eine Mutation in diesem Gen.

Genstruktur

Das Myocilin kodierende Gen (MYOC), welches vormals als Glaukom-Gen (GLC1A) bezeichnet wurde, ist etwa 17kb groß und aus 3 großen Exons zusammengesetzt. Das Gen befindet sich auf dem Chromosom 1 (1q24.3-q25.2).

Phänotyp

Die Klinik ist gekennzeichnet durch ein familiäres und frühzeitiges Auftreten eines Weitwinkelglaukoms ohne weitere Hinweiszeichen einer hereditären Erkrankung.

Pathologie

Dieses Gen codiert ein trabecular meshwork-induced glucocorticoid response Protein (TIGR). Und es wird vermutet, dass durch die Dysfunktion dieses Proteins eine Störung des oculären Wasserabflusses hervorgerufen wird. Weitere Untersuchungen zeigten jedoch eine Expression dieses Gens vor allem im Muskelgewebe. So zum Beispiel auch im Ciliarkörper. Mit Pilocarpin lässt sich der intraoculäre Druck durch eine chronische Konstriktion des Ciliarkörpers senken. Ebenso wäre es denkbar, dass dies im gesunden Zustand durch Myocilin hervorgerufen wird.

Untersuchungsstrategie

Personen mit primärem Weitwinkelglaukom, wenn aus der Familienanamnese eine genetische Ursache vermutet wird. Familienangehörige von Personen mit nachgewiesener MYOC-Mutation.

Interpretation

Da Mutationen in der gesunden Bevölkerung fast nicht gefunden werden, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass eine funktionsbeeinträchtigende Mutation auch eine Erkrankung zur Folge hat. Die Bedeutung der Untersuchung besteht in einer Familienberatung und einer daraufhin einzuleitenden intensivierten Vorsorgeuntersuchung.

Gentests:

Klinisch Untersuchungsmethoden Familienuntersuchung
Bearbeitungszeit 5 Tage
Probentyp genomische DNS
Klinisch Untersuchungsmethoden Hochdurchsatz-Sequenzierung
Bearbeitungszeit 25 Tage
Probentyp genomische DNS
Klinisch Untersuchungsmethoden Direkte Sequenzierung der proteinkodierenden Bereiche eines Gens
Bearbeitungszeit 20 Tage
Probentyp genomische DNS

Verknüpfte Erkrankungen:

Weitwinkelglaukom 1A
MYOC
Weitwinkelglaukom 1L
MYOC

Referenzen:

1.

Alward WL et al. (1998) Clinical features associated with mutations in the chromosome 1 open-angle glaucoma gene (GLC1A)

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2.

Kanagavalli J et al. (2004) A review of genetic and structural understanding of the role of myocilin in primary open angle glaucoma.

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3.

NCBI article

NCBI 4653 [^]
4.

OMIM.ORG article

Omim 601652 [^]
5.

Orphanet article

Orphanet ID 123659 [^]
Update: 9. Mai 2019