Molekulargenetische Diagnostik
Praxis Dr. Mato Nagel

Komplex medullärer Zystennierenerkrankungen

Medullären Zystennierenerkrankungen ist gemeinsam die Bildung von Zysten an der Mark-Rinden-Grenze. Unterschiedlich hingegen sind Klinik, Vererbungsmodus und extrarenale Manifestationen.

Geschichtliches

Bereits 1951 wurde diese familiäre Nierenfunktionsstörung beschrieben, welche meist schon vor der Pubertät in ein progredientes Nierenversagen mündet. Obwohl in der Erstpublikation noch nicht erwähnt, waren medulläre Zysten auf einer der Abbildungen zu erkennen. Es dauerte dann noch bis in die Mitte der 90ger Jahre bis die Klassifikation dieser Erkrankungsgruppe auf der Grundlage molekulargenetischer Befunde vorgenommen werden konnte.

Epidemiologie

Die Nephronophthise ist für 10-20% der chronischen Nierenerkrankungen bei Kindern und im jungen Erwachsenenalter (bis zum 20. Lebensjahr).

Klinischer Befund

Anhand des Vererbungsmodus lassen sich die autosomal rezessive Nephronophthise und die autosomal dominanten medullären Zystennieren unterscheiden.

Das mittlere Erkrankungsalter erlaubt bei der Nephronophthise eine juvenile (13 Jahre), infantile (1-3 Jahre) und eine adoleszente Form (19 Jahre) zu unterscheiden. Ebenso bei den medullären Zystennieren gibt es eine sich in jüngeren Jahren manifestierende Form, Typ 2 mit durchschnittlichem Erkrankungsalter von 32 Jahren, und den Typ 1, der sich erst im höheren Alter zeigt (62 Jahre).

Die Pathogenetische Einteilung der Nephronophthise in die Typen 1 bis 6 folgt den entsprechenden Genen. Dabei rufen Typ 1 und 4 die juvenile, Typ 2 die infantile und Typ 3 die adoleszente Form der Nephronophthise hervor.

Diagnosestellung

Die klinische Diagnose wird anhand der Familienanamnese und der interstitiellen Nephritis mit progressiver Nierenfunktionsverschlechterung gestellt. Gelegentlich tragen auch extrarenale Manifestationen zur Diagnosefindung bei. Eine Nierenbiospie ist oft verzichtbar, aber wenn vorhanden, für die Diagnosestellung richtungsweisend. Die typischen pathomorphologischen Veränderungen, Zysten an der Grenze zwischen Rinde und Mark, finden sich erst sehr spät im Verlaufe der Erkrankung. Die Molekulargenetische Diagnostik hingegen erlaubt eine sichere Frühdiagnose.

Differentialdiagnostische Abgrenzung

In der Nierenmorphologie ähnlich ist die Markschwammniere. Diese Erkrankung zeigt aber im Unterschied keine progressive Nierenfunktionsverschlechterung.

Pathogenese

Allen zystischen Nierenerkrankungen ist gemeinsam, dass durch die Genmutationen Fehlfunktionen des Ziliarapparates hervorgerufen werde. Der exakte Mechanismus, durch welchen solche Fehlfunktionen zur Zystenbildung führen, ist noch nicht geklärt.

Gliederung

Zystische Nierenerkrankungen
Alagille-Syndrom 2
Autosomal dominante polyzystische Nierenerkrankung
Autosomal rezessive polyzystische Nieren und Lebererkrankung
Branchio-oto-renale Dysplasie
Hajdu-Cheney-Syndrom
Komplex medullärer Zystennierenerkrankungen
Medulläre Nierenzysten
Medulläre Zystenniernerkrankung 1
MUC1
Medulläre Zystenniernerkrankung 2
UMOD
Nephronophthise
Nephronophthise 1
NPHP1
Nephronophthise 10
SDCCAG8
Nephronophthise 11
TMEM67
Nephronophthise 12
TTC21B
Nephronophthise 13
WDR19
Nephronophthise 14
ZNF423
Nephronophthise 15
CEP164
Nephronophthise 16
ANKS6
Nephronophthise 17
IFT172
Nephronophthise 18
CEP83
Nephronophthise 19
DCDC2
Nephronophthise 2
INVS
Nephronophthise 3
NPHP3
Nephronophthise 4
NPHP4
Nephronophthise 5
IQCB1
Nephronophthise 6
CEP290
Nephronophthise 7
GLIS2
Nephronophthise 8
RPGRIP1L
Nephronophthise 9
NEK8
Senior-Loken-Syndrom
Senior-Loken-Syndrom 1
NPHP1
Senior-Loken-Syndrom 3
NPHP3
Senior-Loken-Syndrom 4
NPHP4
Senior-Loken-Syndrom 5
IQCB1
Senior-Loken-Syndrom 6
CEP290
Senior-Loken-Syndrom 7
SDCCAG8
Senior-Loken-Syndrom 8
WDR19
Senior-Loken-Syndrom 9
TRAF3IP1
Ziliopathie
COACH-Syndrom
CC2D2A
RPGRIP1L
TMEM67
Joubert-Syndrom
Joubert-Syndrom 3
AHI1
Joubert-Syndrom 6
TMEM67
Joubert-Syndrom 7
RPGRIP1L
Joubert-Syndrom 9
CC2D2A
Joubert-Syndroms 11
TTC21B
Joubert-Syndroms 19
ZNF423
SUFU
Lebersche kongenitale Amaurose
Lebersche kongenitale Amaurose 01
GUCY2D
Lebersche kongenitale Amaurose 02
RPE65
Lebersche kongenitale Amaurose 03
SPATA7
Lebersche kongenitale Amaurose 04
AIPL1
Lebersche kongenitale Amaurose 05
LCA5
Lebersche kongenitale Amaurose 06
RPGRIP1
Lebersche kongenitale Amaurose 07
CRX
Lebersche kongenitale Amaurose 08
CRB1
Lebersche kongenitale Amaurose 09
NMNAT1
Lebersche kongenitale Amaurose 10
CEP290
Lebersche kongenitale Amaurose 11
IMPDH1
Lebersche kongenitale Amaurose 12
RD3
Lebersche kongenitale Amaurose 13
RDH12
Lebersche kongenitale Amaurose 14
LRAT
Lebersche kongenitale Amaurose 15
TULP1
Lebersche kongenitale Amaurose 16
KCNJ13
Lebersche kongenitale Amaurose 17
GDF6
Lebersche kongenitale Amaurose 18
PRPH2
Malformationen der Rechts-Links-Achse
LEFTY2
Meckel-Syndrom
Meckel-Syndrom 3
TMEM67
Meckel-Syndrom 5
RPGRIP1L
Meckel-Syndrom 6
CC2D2A
Nephronophthise
Nephronophthise 1
NPHP1
Nephronophthise 10
SDCCAG8
Nephronophthise 11
TMEM67
Nephronophthise 12
TTC21B
Nephronophthise 13
WDR19
Nephronophthise 14
ZNF423
Nephronophthise 15
CEP164
Nephronophthise 16
ANKS6
Nephronophthise 17
IFT172
Nephronophthise 18
CEP83
Nephronophthise 19
DCDC2
Nephronophthise 2
INVS
Nephronophthise 3
NPHP3
Nephronophthise 4
NPHP4
Nephronophthise 5
IQCB1
Nephronophthise 6
CEP290
Nephronophthise 7
GLIS2
Nephronophthise 8
RPGRIP1L
Nephronophthise 9
NEK8
Primäre ziliäre Dyskinesie 3 mit oder ohne Situs inversus
DNAH5
SRTD-Syndrom (Short-rib thoracic dysplasia) 10
IFT172
SRTD-Syndrom (Short-rib thoracic dysplasia) 9
IFT140
Senior-Loken-Syndrom
Senior-Loken-Syndrom 1
NPHP1
Senior-Loken-Syndrom 3
NPHP3
Senior-Loken-Syndrom 4
NPHP4
Senior-Loken-Syndrom 5
IQCB1
Senior-Loken-Syndrom 6
CEP290
Senior-Loken-Syndrom 7
SDCCAG8
Senior-Loken-Syndrom 8
WDR19
Senior-Loken-Syndrom 9
TRAF3IP1
Nierenzysten und Diabetes (RCAD)
Polyzystische Nierenerkrankung mit hyperinsulinämischer Hypoglycämie

Referenzen:

1.

Alexander F et al. (1970) Familial uremic medullary cystic disease.

[^]